Zwei Thüringer

Instrumentalwerke von Bach und Molter

Konzert am 13. September 2009 in Öhringen

Stimmen greifen sehnsüchtig ineinander
Von Ralf Snurawa

Hannes Rux überzeugte auf der Naturtrompete vor allem bei den hohen Tönen. Mit dem Main-Barockorchester trat er in der Öhringer Stiftskirche auf.Foto: Ralf Snurawa
Öhringen - Einen interessanten Vergleich zweier Barockkomponisten bot das Main-Barockorchester aus Frankfurt beim Kultursommer in der Öhringer Stiftskirche: auf der einen Seite Johann Melchior Molter, geprägt durch die italienische Musik seiner Zeit und bis zum klassischen Stil gehend, auf der anderen Seite Johann Sebastian Bach, ein Meister der spätbarocken Kompositionsweise, der er sein Leben lang treu blieb.
Die Gegenüberstellung der beiden C-Dur-Orchestersuiten erschien vor diesem Hintergrund reizvoll. Gemeinsamkeiten fanden sich im Ouvertürensatz: der im französischen Stil stehende langsame Teil, der hier wie dort prachtvoll und durchaus sonor ausgebreitet wurde. Dieser Teil rahmte einen fugierten schnelleren ein, den die Musiker zu einem Erlebnis an Transparenz, Spannungsreichtum und rhythmischem Pulsieren werden ließen.
In den Folgesätzen sind die Orchestersuiten aber völlig verschieden. Bach suchte das Variieren von Melodien und hatte das gesamte Werk ausführlicher gestaltet. Bei Molter lag der Schwerpunkt weniger auf unterschiedlichen Tanzsätzen. Das vor seiner Durlacher Zeit entstandene Werk enthielt einen langsamen Satz, dessen Klageton die Musiker des Main-Barockorchesters wunderbar trafen. Seufzerfiguren wurden ausdrucksstark gespielt. Ihm folgten in der Stiftskirche eine fast sprudelnd wirkende Loure und zwei kontrastierende Menuettsätze: der erste mit Eleganz, der zweite lockerer und akzentuierter interpretiert.
Leises Spiel
Federnde Staccati in Violoncello, Kontrabass und Cembalo ließen die Wiedergabe der Courante von Bachs Komposition ebenso zu einem Genuss werden wie das Herausarbeiten von Details in der Gavotte: etwa die Marschrhythmik andeutenden Violinen zur Melodie in den Oboen. Das zweite Menuett fesselte durch das leise Spiel des Ensembles. Die Bourrées erklangen voller Esprit, während der Passepied zwischen eleganten und wiegenden Tönen schwankte.
Zu Bachs rekonstruiertem Konzert für Violine, Oboe und Streicher in c-Moll nutzte Martin Jopp, der musikalischer Leiter des 13-köpfigen Barockensembles, als Solist die virtuosen Passagen ganz im Dienst des Ausdrucks. Das Duettieren mit Oboistin Meike Güldenhaupt wurde zum fast sehnsüchtig-wundervollen Ineinandergreifen der Stimmen.
Das Finale brachte Akzentsetzungen. Da knüpfte Hannes Rux auf der Naturtrompete zu Molters in Durlach komponierten Trompetenkonzert in D-Dur an. Im nicht mehr dem Barock zugehörenden Werk gestaltete er die hohen Töne fantastisch klar. Zum Höhepunkt des Konzerts gerieten die feinsinnig intonierten, leisen Trompetentriller.

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