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FonoForum 4-2006; CD-Empfehlung des Monats April Johann Wilhelm Hertel (1727-1789) ist vor allem wegen seiner drei Trompetenkonzerte bekannt. Dass sich dahinter ein sehr vielseitiger, kluger und hochinteressanter Komponist verbirgt, verdeutlicht nun das Main-Barockorchester mit einer repräsentativen Auswahl an Streichersinfonien und Konzerten. Hertel wurde in Eisenach geboren, wirkte aber die längste Zeit seines Lebens als Hofmusiker in Strelitz, Schwerin und Stralsund. Kontakte zu Sulzer, Lessing und Ramler lassen eine intellektuelle Ausrichtung erkennen, die sich in seiner Nebentätigkeit als Hamburger Musikrezensent manifestierte. Zunächst noch von der Berliner Schule geprägt, entwickelte er Mitte des 18.Jahrhunderts einen eigenständigen Personalstil, der sich einerseits durch einen ungekünstelten Tonfall, andererseits durch emphatischen Gestus auszeichnet. So besticht das hier vorgestellte Harfenkonzert durch Charme und Eleganz, das Violinkonzert durch sensible Lyrismen und eine selbstverständliche, unprätentiöse Virtuosität, während das Oboenkonzert von dramatischer Leidenschaft gekennzeichnet ist. Doch nicht nur die Musik, sondern auch die Interpretation lässt aufhorchen, denn das Main-Barockorchester präsentiert eine höchst willkommene Alternative zu dem übertrieben lauten, krachenden Stil, in dem sich andere Ensembles derzeit zu übertreffen trachten. Auf dieser SACD wird zwar auch mit Temperament und Leidenschaft gespielt, doch passiert dies nie auf Kosten der inneren Ruhe oder der klaren, entspannten Gesten. Hier schwingen die Phrasen noch organisch aus, hier nimmt man sich auch für Pausen die nötige Zeit. Eine der schönsten Entdeckungen des laufenden Jahres. Thomas Hengelbrock „Musik an sich“ vom 17. Mai 2006, Sven Kerkhoff LUFTIG Was dem Main-Barockorchester Frankfurt unter die Finger kommt, wird - so scheint es - mit erstaunlicher Sicherheit zu musikalischem Gold. Nach einer äußerst gelungenen Premiere mit einem Fasch-Programm, wenden sich die Frankfurter diesmal dem Werk Johann Wilhelm Hertels (1727-1789) zu. Hertel, der v.a. am Schweriner Hof wirkte, bewegte sich stilistisch seiner Zeit gemäß auf dem Grat zwischen Barock und Wiener Klassik. So steht etwa das Violinkonzert D-Dur deutlich in der barocken italienischen Tradition, jedoch wird das Adagio breiter und tiefgründiger ausgeführt. Das im Orchestersatz schroffe, in den Linien des Soloparts hingegen oft liebliche Oboenkonzert steht im Kontrast zum Harfenkonzert, das in seiner galanten Empfindsamkeit sicherlich zu den schönsten dieser Gattung gezählt werden darf. Demgegenüber erweisen sich die beiden Sinfonien à 4 als konventioneller, entfalten aber dennoch ein hohes Maß an melodischem Reichtum und harmonischem Reiz. Vieles erinnert an das Vorbild Carl Philipp Emanuel Bachs. Alles in allem erweist Hertel sich also als ein sehr vielseitiger Komponist, dessen Werke mehr sind, als kleinmeisterliche Randerscheinungen der Musikgeschichte. Dass sie in ihrer vollen Schönheit zur Geltung kommen, verdankt sich dem luftig-transparenten Spiel des Main-Barockorchesters. Dieses lässt die Stücke atmen und verleiht ihnen zugleich leuchtende instrumentale Farben. Es wird klug und frisch akzentuiert, aber nie - wie sonst inzwischen bei vielen Originalklangensembles zu erleben - unnötig forciert. Hertels eingängige melodische Linien dürfen sich auf diese Weise einprägsam sanglich entfalten. Die Solisten leisten durchweg großartige Arbeit, wobei insbesondere das Oboen- und das Violinkonzert keineswegs geringe virtuose Anforderungen stellen. Die auch klangtechnisch sorgfältig produzierte SACD beweist, dass dieses Ensemble auch international keinen Vergleich zu scheuen braucht.
klassik-heute, März 2006 |
AUFNAHMEN
KONZERTE
ELEMENTE |
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